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Leute ?

Geschichten über Freunde, Fremde, Familie, will sagen Masken, Gesichter, Begegnungen, Empfindungen, Wahrnehmungen: Ein überraschendes Sammelsurium, ein kleiner Ausschnitt der vergangenen 21 Jahre, dessen was vorliegt. Übrigens: Das Gedicht auf Wilhelm Busch entstand 1989 für mich völlig überraschend, als ich aufgrund eines heftigen grippalen Infektes mit 38,9 Fieber zu Bette lag. In der für Schreiben wenig glücklichen Lage machte ich, wie so oft die Erfahrung, wozu der beseligende Schreibzwang befähigt.


 

Inhalt

Wilhelm Busch (1990)
Ein Bildhauer trifft sein Modell (1993)
Frau Musica (1989)
Gott in Weiß (1989)
Au Backe (1990)
Mein Physiotherapeut und die tief greifende Behandlung (2009)
Sommergast (1994)
Schwestern am Grab der Mutter (1989)
Allroundtalent (1990)
Eichendorffs Enkel (1989)
Frauenbewegung (1989)
Koch oder Geologe (1989(
Karrieristen (1990)
Der Advokat (1993)
Für Robert Gernhardt (2006)
Untote (2007)
Studentenmutter (1993)
Jakob und Adele (2005)
Boris Becker - Der Siegreiche (1990)

 

 

Wilhelm Busch

Heut gilt’s Wilhelm Busch zu loben.
Sieh, er grüßt vom Himmel droben,
Schaut zum Publikum  herunter.
Wird von unserm Lob auch munter.

Wilhelm Busch in memoriam
Busch durchschaute mit Geschick
Biedermänners blödes Glück
und zerfetzte ohn' Getöse
alles Eitle und Pompöse.
Juden, Christen, Junggesellen,
Plisch und Plum, die kräftig bellen,
stets traf seine Ironie
Leute, Sitten und das Vieh.

Angesichts des raschen Wechsel
von Personen: Maler Klecksel,
Bählamm, Max und Moritz, Bolte...
Was so durch die Verse trollte.

Schenkte bitterböse Namen,
die ihm auf die Feder kamen.
Aus dem Pinsel floss Satire,
hohe Kunst für kleine Tiere.

Mochte stets an den Gestalten
vehement Kritik entfalten.
Nichts und niemand war ihm heilig.
Kritzelt seine Verse eilig.

Zeichnete mit kühnem Strich,
dem subtiler Spott entwich.
Und so lächelt vom Gefilde
Säuerlich er und doch  milde.
Winkt mit seinem dichten Barte
ganz und gar nach Dichters Arte.

Ach, wie fehlt uns Busch, der Gute!
Schickt gen Himmel ein Salute,
hoffend, dass im Paradiese
er auch Künstlers Ruhm genieße!!

 

Ein Bildhauer trifft sein Modell

Er hätt, gestand er ungeniert,
zunächst einmal sie anvisiert.
Und ohne Zögern festgestellt,
dass beinah alles ihm gefällt.

Da sei'n vor allem ihre Beine,
so schlank und edel wie sonst keine
in schwarzen Stiefeln zierlich steckten
und gleich Bewundrung in ihm weckten.

Verborgen durch ein dickes Tuch
sah trotzdem er von ihr genug.
Und ließ vom Schicksal sich verwöhnen
beim Anblick dieser fremden Schönen.

Die blaubebrillt und blondgelockt
ihm lauschend gegenüber hockt.
Dornröschen nannt er sie und stöhnte.
Sie ahnte kaum, wie er sich sehnte.

Sie krönt den Anblick seiner Lust:
Schlug selig sich an seine Brust.
Genoss sie durch und durch von Sinnen
und mochte ohne Not beginnen,

von seinem Glücksschmerz zu erzählen.
Und tat dies ohne sich zu quälen.
Stand da von Träumen zugehagelt,
vom Schicksal förmlich festgenagelt.

Und zeichnete voll Drang und wild
von ihr sich ein erregend Bild.
Der Abschied kam recht rasch und dumm.
So stand zuletzt er winkend, stumm.

Und er beschloss mit seinen Händen
als Kunstwerk sie sich zu vollenden.

 

Frau Musica
(meiner Schwester gewidmet)

Kinder, Kinder !
Offne Münder!
Alles starrt auf sie gebannt,
leicht bewegt durch Meisterhand.

Wenn erst beide Hände schwingen,
fängt gleich jeder an zu singen.
Singt in Dur und auch in Moll.
Singt bald laut, bald stimmungsvoll.

Wiegt sich weich nach vielen Noten.
So wird hier Musik geboten.
Jeder singt - dass keiner fehle -
sich die Seele aus der Kehle.

Und Frau Musica, sie biegt,
droht fast, winkt und sieh, sie siegt!
Und sie macht, dass viele Sachen
singend sich noch schöner machen.

Brausend klingt der frohe Chor.
Und sie schwingt und steht davor.
Wie sie wogt und bauscht und lacht.
Ja, so ist es gut gemacht.

Ohne Stab, nur mit dem Finger,
so verhext sie ihre Singer.
Wenn sie will, dass alle schweigen,
fängt sie an sich leicht zu neigen.

Ist der letzte Ton verklungen,
ist noch längst nicht ausgesungen.
Denn nun summt der Töne Leiter
in den Sängerherzen weiter.

 

Gott in Weiß
(meinem Dottore zugeeignet)

Der Mensch in seinem weißen Kittel
ist sich der Droge, die er ist bewusst.
Und er verschreibt auch ungern dir nur Mittel,
weil du aus eigner Kraft gesunden musst.
Und dieser Arzt (wie kenn ich ihn schon lange)
grad jemand ist, bei dem man gerne weilt
und deshalb spätestens beim starken Drange
von Schmerz und Schnupfen zu ihm eilt.
Jaja, es stimmt, ein feiner Mensch ist er.
Und niemand ist bei ihm nur Irgendwer.
Er dient, er hilft, er leidet mit
(allein schon das macht Kranke fit).
Hört zu und mahnt, gibt Trost und Kraft -
das ist mehr wert als Hustensaft -.
So wird bei ihm auch Kranksein zum Vergnügen.
Besser gesagt: Es wird nicht zum Verdruss,
weil, will man Lindrung von ihm kriegen,
sich einfach zu ihm hinbegeben muss.
Denn lächelnd sorgt er für dich - und o Wunder.
Als Kranker kam man und geht als Gesunder.

 

Au, Backe
(meinem Zahnarzt gewidmet)

Der Zahnarzt piekt mit spitzer Spritze,
sticht zu und trifft des Nerves Spitze.
Betäubt mit kundig Hand den Gast,
prüft, ob du noch Gefühle hast...

... und wartet mit Geduldsgebärde,
dass die Empfindung matter werde.
Setzt sich die Lupe vor die Augen,
und prüft, ob auch die Bohrer taugen.

Tritt aufs Pedal, drückt auf den Knopf
und automatisch hebt’s den Kopf.
Es liegt der Mensch mit offnem Rachen.
Dabei verging im längst das Lachen.

Die Hände werden ziemlich feucht.
Sogar die Knie zittern leicht.
Man traut sich nicht mal mehr zu murren,
da hebt der Bohrer an zu surren.

Der schlimme Ton quält seine Ohren.
Der Mensch hat jeden Mut verloren.
Der Zahnarzt tut sein Werk besonnen.
Dem Mensch scheint all sein Blut geronnen.

Öffnet nur kurz die Augenlider
und ach, verschließt sie schleunigst wieder.
Und überlässt mit bangem Herzen
sich seinen nicht vorhand'nen Schmerzen.

Schon bald darauf ist es vorbei.
Er greift zum Wasserglas, spült munter
die arge Pein ganz schnell herunter,
erhebt sich flink und fühlt sich frei.
(Vorbei ist's mit der Bohrerei)

P.S:

Noch ist betäubt die ganze Backe.
Doch plötzlich mag er diese Macke.
Und möcht die ganze Welt umarmen.
Der Zahnarzt zeigte ihm Erbarmen.

Er stopfte seine Löcher zu.
Nun hat er für 'ne Weile Ruh.
Kann sich zum Abschied tief verneigen

und dankend ihm die Zähne zeigen.

 

Auch das gehört zu einer tief
greifenden Behandlung

Was war denn das ? Was war heut los ?
Ich kann es gar nicht fassen,
ich war bedeckt, ich war nicht bloß
die Strümpfe taten passen...
Verdeckten Knie, aufwärts vom Fuß,
Verdeckten, was zu schonen.
Verdeckten, was verdeckt sein muss,
jedoch: es tut sich lohnen...

Wenn du zum Therapeuten hinkst,
dem mit den klugen Händen,
wenn du kurz mit dem Handschuh winkst,
er mög' erneut vollenden...
...was er zuvor sich schon getraut...
auch heut wird er nicht zaudern,

das Höschen rupft er von der Haut
und dir erwächst ein Schaudern...
...dass endlich, was du jedes Mal
dir wünscht von ganzem Herzen
dass er noch steigert jene Qual
dank unverhoffter Schmerzen.

Sein Griff wie stets, er gab erst Ruh,
als heftig laut ich stöhnte.
Drauf wandt er sich den Strümpfen zu,
die halterlos er wähnte...

Ich sei ihm auch beim nächsten Mal,
in gleicher Zunft willkommen.
Dieweil ich grüßend mich empfahl,
wirkt er auf mich benommen...
Ja, so ein Physiotherapeur,
tut meist, was ihm empfohlen
und tut er sich auch manchmal schwör,
tut er sich doch erholen.

 

Sommergast

Willkommen war er, heiß ersehnt,
in Träumen ward er oft erwähnt.
Man schaute sich im Spiegel an,
griff zur Gardrobe dann und wann
und malte sich noch voll Begehren
wie schön die Tage mit ihm wären.
Man hoffte still, er würd lang bleiben,
man könnt viel Zeit mit ihm vertreiben,
Und als er kam, ganz unverhofft,
das sagte man ihm gern und oft,
wie glücklich, dass er angekommen,
man hätt' von fern ihn... längst vernommen.

Er traf am frühen Morgen ein,
begleitet von viel Sonnenschein.
Und breitet sich gleich mächtig aus.
Durchsaust mit Licht das ganze Haus.

Er zauberte mit leichter Hand
den Schatten gleich von jeder Wand,
Er deckt' den Tisch mit buntem Strauß,
streut' hübsch viel Gold auf allem aus.

Ergoss sich in Gemüt und Seele,
beschenkte dich mit dem, was fehle
Ach, dieser Traum schien gar zu schön.
So könnt das Leben lange gehn.

Die erste Woche, sieben Tage,
sie glitten still und ohne Plage.
Doch, ach, wie sonderbar die Nacht,
als man aus tiefem Traum erwacht.

Der Gast, er stand noch immer da.
Verschloss die Tür und kam ganz nah.
Hat alle Koffer ausgepackt.
Stand vor dir prall und stark und nackt.
Und griff nach dir, wich nicht zurück.
Du fragtest dich, wo bleibt das Glück.
Die Nähe, die der Gast bescherte,
war anders, bis er dich erhörte.

Er sitzt dir stickig auf den Poren.
Nah ist er dir und du verloren.
Ringst du nach Luft, hält er dich fest,
du flehst ihn an, daß er dich läßt.
Und selbst, wenn du die Fenster schließt,
er sich doch überall ergießt.
Sitzt unterm Haar, tropft von der Haut,
schwillt mächtig an, wird überlaut.

Kriecht durch die Haut, sogar nach innen.
Du bist besessen und von Sinnen,
Sehnst dich nach nächtlich Sterngefunkel.
und hoffst, er schwände mit dem Dunkel.
Du fühlst dich ohne Kraft und bloß.
Er hockt beharrlich auf dem Schoß.
Und wähnt sich immer noch willkommen.
Doch du bist hilflos und benommen.

Mehr ist zuviel, heißt jetzt der Fluch.
Genug ist ihm noch nicht genug.
Wie hattst du ihn herbeigesehnt,
in seinem Traum sich ausgedehnt.

Er nennt sich Hitze, dein Besuch!
Ist wie ein heißes, feuchtes Tuch.
Und reißt du ihm die Kleider runter,
dann wird dein Gast erst richtig munter.

Du wirst den Sommer mit ihm leben!
Lass dich auf seine Schultern heben.
Lass dich auf seinen Schwingen nieder.
Er kommt erst nächsten Sommer wieder.

 

Anwalt Liebling: alias Manfred Krug..

Weitermachen!

Ein Mannsbild und doch Kind im Mann,
zieht gnadenlos dich in den Bann.
Sein Haarkranz ziert ihn eher spärlich.
Die treuen Augen blicken ehrlich.

Auch trägt er, ganz nach Zeitgeist Art
am liebsten den Dreitagebart.
Du findest grad das allerliebst,
falls du was auf den Typen gibst.

Genug sagt man, sei nie genug.
Drum dreht bloß diese Serie weiter.
Weil: Liebling Kreuzberg, Manfred Krug,
stimmt zauberhaft Millionen heiter.

Das Superding gelang im grad:
Erwischt ward er auf frischer Tat.
Verdreht die Augen und schmatzt leise,
versenkte sich in Götterspeise.


Schwestern am Grab der Mutter

Sie kam geeilt per Bundesbahn,
zog frohgemut sich Hamburg an.
Stieg auf das Rad, mir nach durch Sonne,
durch blauen Himmel, Herbstenswonne.

Und radelt munter stets mir nach.
Freut sich an Wegen, Blumen, ach!
Steht ernst und zart an Mutters Grab.
Sieht still und doch gewiss hinab.

Und findet dann in dieser Stunde
ein tröstend Pflaster für die Wunde...
(so hätte sie es gern gemocht...)
Ich - neben ihr - ganz wohlgemut.
Zu zweit tut auch ein Friedhof gut.


Jakob und Adele im Jahr 2000
(in memorian)

Denk ich, er könnt es baldigst mir  "besorgen",
was gern er tut, worin er  Meister ist ?
Blieb nachts bei  ihm - und dächte nicht an morgen -
und flehte noch,   dass  er  mich schamlos  küsst.

Ach, was, denkt Jakob, küssen kann doch jeder,
ich will jetzt vorher ihre  Beine sehn.
Ich pack sie aus, aus Spitzen, Lack und  Leder -
dann ist's im Augenblick um mich  geschehn.

Wie angenehm denkt nunmehr sich  Adele,
wie wunderbar, wenn er sich dran ergötzt..
Vielleicht entdeckt er auch noch meine Seele,
und ist alsdann vollends in Rausch versetzt...

Ob Quicky, langsam oder deftig.
ob auf dem Tisch, dem Sofa, Frigidaire,
Sei,  Jakob,   sanft  und  durchaus heftig,
dann wünscht Adele  bloß sich immer  mehr.

ADele


Die Siegreichen

Es macht der Bube Boris Becker
ein Tennismatch so richtig lecker.
Doch diesmal mussten Steeb und Jelen
zunächst einmal allein sich quälen.
Für Patrick vielleicht ärgerlich.
An seiner Stelle siegte Stich.
Mir will nun scheinen, dass die viere
so tollkühn sind wie Musketiere.

PS.: Ein Prosit auf die Tennisknaben,
auf dass wir sie noch lange haben.
Und dass sie immer wieder siegen
und den Pokal aufs Neue kriegen.


 

 

 

Allround Talent

Kommt man als Dicher auf die Welt,
weiss, wenn an Worten es nicht fehlt,
kann Poesie zu Menschen sprechen
dank Versen er gar Herzen brechen.

So reimt er ständig vor sich hin.
Vom Reimen ist erfüllt sein Sinn.
Sie überfalln ihn überall.
Ein beinah hoffnungsloser Fall.

Wer hat schon Zeit, dem Vers zu lauschen.
Ach, könnt er doch mit Menschen tauschen,
die nüchtern sind und bei Verstand
und nicht in Reime so verrannt.

Nun denn, er wird noch lange schreiben.
Und schreibend sich die Zeit vertreiben.
Sobald die Dichterei vorbei,
kauft er sich eine Staffelei.

Greift zu den Farben unbeschwert
und ist nun durch und durch betört.
Und füllt mit Formen Linn um Linnen,
kann fast nichts anderes beginnen.

Malt mal abstrakt, mal Stille Leben,
versenkt sich in sein Malerleben.
Bis plötzlich er Musik vernimmt.
Der Pinsel fällt und er erklimmt,

Tonleitern endlos, ohne Zahl.
Das nun ist seine neue Wahl.
Und glaubt bald, dass auf dieser Welt
ihm nichts so wie Musik gefällt.

Er summt und pfeift, greift zur Posaune,
macht am Klavier so recht sich Laune.
Der Geige Ton verklärt sein Herz.
Er singt im Chor, strebt wonnewärts.

Und singt beinah sich aus der Kehle
die malend, singend, sel'ge Seele.
Weiss sich vor Glück fast nicht zu lassen.
Muss wieder ein Gedicht verfassen.
(Da capo)

 

Eichendorffs Ururenkel
(für meinen Neffen)

Ein Mensch hat Abitur gemacht,
den Schulabschluss nach langen Jahren
und hat so oft bei sich gedacht,
er würd gern ändern sein Gebaren.

Seit langer Zeit schon wusste er,
ein neues Outfit musste her.
Was also tat der junge Mann ?
Sah prüfend sich im Spiegel an,

und meinte wohl, was ihn betörte,
wär, wenn er sich die Haare scherte.
Verließ das Haus, pfiff sich ein Lied,
nahm nicht mal seine Schuhe mit.

Sah um sich her die schöne Welt,
wollt nur noch tun, was ihm gefällt.
Ging geraden Weges zum Frisör
und staunte später selber sehr.

Kehrt nochmals heim, barfuß und froh.
Und alle sahen es ihm an:
Sein Haarschopf rot und lichterloh
stand stolz gleich einem Hahnenkamm.

Das also hatte ihn bewegt:
Die Seiten hoch hinauf geschoren.
Die Ohren wurden freigelegt
So fühlt er sich wie neugeboren.

Und fühlt sich stark und auch befreit.
Das Leben scheints, steht jetzt bereit.
Nun hält ihn fast nichts mehr zu Haus.
Das Leben ruft. Probier' er's aus



Frauenbewegung

Die guten Jahre sind erwacht -
geboren aus der Männer Nacht
hat man es überall vernommen:
Die Zeit der Frauen ist gekommen.

Und ist so mancher stille Abend
für Frauenherzen so erlabend.
Weil sitzend an den Frauenplätzen
sie ein Gespräch besonders schätzen.

Und das ist gut und wunderschön,
kann man sie so zusammen sehn.
Sie können miteinander reden,
sie können Undinge bewegen.

Sie packen an und zeigen Mut.
Tun Dinge, die ein Mann nicht tut.
Frauen sind auch viel besser dran.
Sie stehn alleine ihren Mann.

Und strahlen Mut und Tatkraft aus.
Sie wachsen über sich hinaus.
Es ist schon immer so gewesen:
An Frauen wird die Welt genesen.

 

Koch oder Geologe ?
Heiteres Beruferaten meines Neffen.

Grad heimgekehrt aus Spaniens Land,
zurück aus Freiheit, Saus und Braus,
hat er gleich messerscharf erkannt:
Nun wird es gut, sogar zuhaus!

Sucht Zutaten fürs neue Leben
und meint, die hätt’ er jetzt parat.
Will in die Lehre sich begeben.
Es drängt ihn mächtig jetzt zur Tat.

So überlegt er noch und noch,
was zu gewinnen, zu verlieren?
Am besten wär, er würde Koch ...
Studieren ? Oder erst probieren ?

Im Kopf rührt das Rezept herum.
Erst einmal Koch. Das klingt nicht dumm.
Und Lirum, Larum, Löffelstiel,
bin ich erst Koch, ist das schon viel.

Mit eines Koches Meistermütze,
mit weißer Schürze vor dem Bauch,
wird er Genießern schnell zunütze,
schwenkt Pfannen, Töpfe, wie es Brauch.

Verkostet Sherry, Estragon,
gönnt sich vom Knoblauch manche Prise.
Und schmeckt selbst nach zwei Jahren schon:
Zum Kochen braucht es Kunst - wie diese.

Bis dass er schafft sein Meisterstück -
wie wenn ein Zaubrer zelebriert

kehrt er zum Herd daheim zurück
und wird auch dort hoch dekoriert.

Die Family sitzt um den Tisch
und schmatzt und schlürft und fühlt sich wohl.
Gemüse, Saucen, feinsten Fisch,
ein guter Tropfen Alkohol.

Man nickt ihm zu und hebt das Glas
und huldigt also auch dem Koch.
So macht das Leben wirklich Spaß.
Und bald danach studiert er doch.

 

Karrieristen

Es gibt dem nichts hinzuzufügen:
Wer leidet, der hat meist selbst schuld.
Wer Wahrheit spricht, anstatt zu lügen
kriegt Antwort voller Ungeduld.

Doch dem Rhetoriker, dem Glänzer,
der redet bis der Tag vorbei,
dem huldig man in ganzer Gänze
der hohlen Worte Vielerlei.

Ach, ist das nett, dem Sinn zu lauschen
und willig seiner Worte Wahl
gegen Moral rasch einzutauschen.
Denn, was er sagt, ist doch egal.

Ein Schnurren, Schmeicheln, Säuseln, Tönen,
das ist es, was die Rede füllt.
Dazu der eitle Blick nach Schönen
macht, dass der Kamm gar mächtig schwillt.

Was hast du in der Welt verloren,
die scheußlich, schal und schnöde ist ?
Ganz einfach: Öffne deine Ohren
und lerne, bis du sie verstehst.

Ein jeder glaubt, er macht es besser.
Wenn einer rauf will, muss er rauf.
Wo Fähnchen schwenkende Mit-Esser
bestimmen der Karriere Lauf.

Doch: Oben ist die Luft recht dünn.
Der Atem kürzt sich und wird knapp.
Und sitzt man oben erstmal drin,
dann stürzt man um so steiler ab.

 

lus prudens:
Der Advokat

Nun da der Fall beschlossen ist,
gibt's ein Gedicht für den Jurist.
Lässt sich in Prosa schwer beschreiben
das ziemlich unziemliche Treiben,
bei dem zumindest der Mandant
voll Schmerz, weil messerscharf erkannt:
Er, der Juristen einst verehrt,
ward eines Schlechteren belehrt.

Es schmückt recht eitel sich per Titel,
ein allerseits probates Mittel,
der hohe Herr. Dem geht's vor allem,
dass Honorare hoch ausfallen
und prüft zugleich auch mit Bedacht,
wie man sich wenig Arbeit macht.

Drum lässt er gern, fast mit Vergnügen,
die Sorgen des Mandanten liegen.
Der seinerseits doch stets beflissen
lässt ständig den Juristen wissen,
wie gerne er den Fall beende.
Wenn er doch bloß die Lösung fände.

Doch das stört den Gelehrten nicht.
Der geht mit sich kaum ins Gericht.
Er hat das Geld. Sein ist der Fall.
Das Ende scheint ihm schier egal.
Verfolgt sogar noch mit Vergnügen,
wenn Kontrahenten sich bekriegen.

Die schließlich dank Verfahrens Dauer
sind nicht nur müde, sondern sauer.
Und spüren noch vor Jahresfrist,
was längst nicht mehr zu leugnen ist.
Vertraust du einem Advokaten,
bist erst verkauft du, dann verraten.

 

Mir geht’s kaum noch aus dem Sinn,
Romy macht in „Zauberin“,
Nacht um Nacht am Arbeitspult,
sucht und sinnt, wie ihre Huld,
die sie für die Freundin fühlt
sie zu neuem Zauber spült.

Sie ist Herrin über Bilder,
sie stimmt dunkle Farben milder,
zeichnet scharfe Kanten weich,
und zieht aus dem Farbtopf gleich,
was sie lebensvoll ergänzt,
und womit sie zaubernd glänzt.

Rosen, Tiere, Fee-Gestalten,
Märchenbilder sich entfalten,
was in ihrem Innern reift
und sie in die Tasten greift,
was aus Herz in Finger quillt,
von ihr zauberisch umhüllt.

Soviel Herz, soviel Gefühl,
Phantasie als Dauerspiel.
Soviel Liebe, voller Farben,
lässt Betrachter sich erlaben.
Romy als Designerin,
ist halt schlichtweg Zauberin...

 

Für Robert Gernhardt!
Nach einem Bad im Wörtersee

Angelte im See so nette,
Verse viel in feuchtes Bette
reingeworfen, hingespuckt,
aufgesammelt, draufgekuckt.
Ohne Pause, viele Stunden
Fischt ich listig – ihm verbunden.

Modern talking, spöttisch, heiter
spricht der Dichter sinnig weiter.
Verse schmieden, Zeilen reimen,
Wörter lassen leicht sich leimen,
können Leuten Laune machen.
Über allem dröhnt das Lachen.
(So verführt man Publikum.
Wer ihn gern hat, ist nicht dumm.)
Sein Geheimnis - er ist Held.
Gern zahlt man ihm Versengeld.
"Einzig"! Klatschen fremde Hände-
Er reimt mit und ohne Ende.
Tät er fragen, tät ich sagen:
Reim’ er weiter - mit Behagen.

N.B.
Allseits hochgeschätzter Mann!
Die ihn gern hat, dann und wann,
fleht ihn an, fleht ihn an:
Mag er in mein Werk mal schauen ?
Würd’ noch an Kritik erbauen..
mich, die - ach - so vieles schrieb.
Hab mich selbst von Herzen lieb.
 


Untote.

Hoch, hager, knochig, alte Weiber.
Zwei längst entseelte Frauen-Leiber,
Mit Schals statt Haar um den Kopf gewunden,
mit Hüten darauf und unten Hunden,

Schleichenden Schrittes wie zum Zeichen
Als wollten niemals ein Ziel erreichen.
Gesichter verdeckt, in bleichem Charme
die toten Augen versteckt voll Harm
von Sonnenbrillen groß und stumm,
als spielten sie selbst ihr Publikum.

Und warn im Gespräch recht tief versunken,
vom Grau der Zeit und vom Gram betrunken.
Die Köpfe neigten sich hin und wieder.
Und tonlos erklangen Klagelieder.

Wie Schlangen aus dem Nichts gekommen,
Ihr Lächeln war ihnen fortgenommen.
Ach, dieses Stöhnen von schwarzen Schritten,
ach, Abwehr, Gestik, dies Verbitten.

Lang, öde die Mäntel, und schwer die Schuhe,
als schleppten sie sich zur letzten Ruhe.
Schwarz, streng, vom Licht vergessne Tanten,
die sich. O Graus, seit sie tot sind, erst kannte.
Sie schreiten entseelt nun auf irdischen Pfaden,
und ihrem Schatten folgen Maden.


Der Tag blieb grau, doch es hat nicht geregnet.
Statt dessen sind mir Gespenster begegnet.


Studenten-Mutter

Ach ja, so eine liebe Tante
ist eine reizende Verwandte.
Ihr Service war enorm geschwind,
als wär man grad ihr leiblich Kind.

Sie war bereit, schon früh am Tag.
Man fragte, ob sie wecken mag.
Der Kaffee stand längst auf der Flamme.
Sie floh das Bad samt Föhn und Kamme.

War trotzdem bald zum Starten klar.
Befördert uns per Auto gar.
Fuhr recht flott vor, ganz punktgenau.
Ein wirklich toller Typ, die Frau!

Lag nächtens wach, war man extern.
Erhob sich, wenn man spät kam, gern
und stopft in mitternächtlich Stund
den aufgerissenen Hungerschlund.

Zog wieder brav sich dann zurück.
Gebraucht zu werden, war ihr Glück.

So ging das während ein paar Wochen.
Der Service lief ganz ungebrochen..
Klaglos, wenns Telefon blockiert.
Und dankbar, ja sogar gerührt.

Als dann wir beiden lieben "Kleinen"
beim Abschied von der Guten meinen,
wir täten gern die Wäsche bringen.
Man könnte dann vor allen Dingen
auch prüfen, ob wohl Post gekommen.
Die hätt man dann gern mitgenommen.

Ja, alles klappte ganz famos.
Was trieb die Tante vormals bloß ?
Wie öde war zuvor ihr Leben.
Nun endlich konnt sie alles geben.

Und war zufrieden so und glücklich.
Ihr schien das alles höchst erquicklich.
Auch macht sie keinen Hehl daraus.
Sie wusst'genau, man nutzt sie aus.

Und hat bestimmt bei sich gedacht:
Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Ach, unsre liebe, gute Tante
ist doch die netteste Verwandte.


 

 

  

© text und gedichte angelika donant
 

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